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Die Erwiderung - Das Lachen (Shortstory)

Die Erwiderung - Das Lachen (Shortstory)

Ich schlendre durch die Straßen von Intra. Ein Ort in Italien in der Provinz Piemont direkt am Lago Maggiore. Es ist Spätsommer. Bald ist Herbstbeginn. Die Menschen beleben an diesem Mittwoch Nachmittag die Stadt, voll aber kommt es mir nicht vor.

 

Die Septembersonne erwärmte über den Tag hinweg die engen, aber entspannt geschäftigen Gassen der Altstadt. Ein Schokoladen-Markt findet gerade statt. Confiserien aus der Region gastieren an diesem Tag verteilt auf ausgewählte Bereiche der Innenstadt, von unten entlang der Uferpromenade des Lago, durch den historischen Altstadtkern bis hinauf zum Platz des Domes auf dem Hügel. Die Stände der Händler bieten alle erdenklichen Sorten und Formen von Schokolade feil, man wird ganz unaufdringlich eingeladen zu kosten.

 

Irgendwann sitze ich wieder mal im Caffé Milano am Piazza Daniele Ranzoni. Durch den Corso zwischen Ort und See ist es zeitweise etwas lauter, aber dennoch ungemein gemütlich. Zwei, drei Kaffee Latte, auch mal ein Caffé Ginseng, überaus süß, wenn man es nicht besser weiß, und umrührt, schmecken sehr gut. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages streifen meine Haut, wärmen angenehm und wohltuend.

Einige Zeit später erreicht mich der Schatten der Häuser und Berge im Westen, die Sonne geht langsam unter. Die Menschen suchen noch die langgezogene Pier am Hafen auf, wo die untergehende Sonne der Stadt den letzten Besuch am Tage abstattet, bevor sie hinter den Bergen in wonnigem Licht untergeht. Ich stehe auf, begebe mich langsam in Richtung nach Hause, am Ufer des Lago Maggiore entlang. Die Berge am gegenüberliegenden Ostufer, gerade noch in gleißend gelborangenem Sonnenlicht getaucht, bewundere ich das für das Auge und die Seele so verführerische Szenario.

 

Auf dem Wege fällt mir irgendwann eine junge Frau auf. Sie wartet, wie sich später herausstellen sollte, auf den Bus. Auffallend an ihr war ihr Haar, das zu vielen, farblich hell und dunkel nuancierten Zöpfen gefilzt war, dazu in Verbindung mit einem sehr offenen, wachen Blick in die Weltgeschichte blickte. Ich sah sie einen Augenblick an, hob mit fragenden Augen die Kamera, woraufhin sie lächelnd nickte, im nächsten Augenblick aber schon ihr Handy hoch nahm und offensichtlich zu telefonieren begann.

 

Ich fotografierte sie daraufhin, sie schaute mich dabei an, begann, als ich schon fertig mit der Aufnahme war, freundlich zu lachen und winkte mir mit beiden Händen zu. Ich winkte natürlich freundlich zurück und deutete an, dass ich mich zu ihr herüber begeben würde. Dazu musste ich einige Meter die Straße entlang gehen, um sie überqueren zu können. Das wollte ich umgehend in die Tat umsetzen, ging noch ein Stück weiter entlang des Lago Maggiore zum nächsten Übergang, doch gerade im Moment, als ich queren wollte, kam ihr Bus. Sie stieg ein, der Bus verließ die Haltestelle, die Straße, meinen Blickwinkel.

 

Damit konnte ich ihr keine Visitenkarte anbieten zu überlassen und nicht erfragen, ob ich gegebenenfalls das Bild von ihr veröffentlichen dürfte. Es war zudem mein letzter Abend in Intra. Am nächsten Tag sollte es wieder zurück nach Deutschland gehen und so geschah es dann auch.

 

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, lieber Leser, warum sie das Foto der jungen Frau dennoch hier sehen können? Das liegt an der schönen neuen Welt. Wir haben uns jedenfalls für ein Fotoshooting im neuen Jahr, im Frühling in Intra "verabredet". Wie es kam, und was weiter geschah:

 

Zurück in Deutschland widmete ich mich wieder dem Alltag, wie fast jeder Mensch es tut. Arbeiten😧, Essen😄, Schlafen..... 😴 und in Zeiten der Entspannung sichtete ich meine Fotos. Ich sortierte aus, archivierte und wählte aus, was für eine weitere Bearbeitung in Frage käme. Auch das Bild der jungen Dame, mit ihrem (für mich) sehr interessanten offenen Wesen war dabei. Einige wenige der Aufnahmen bearbeitete ich daraufhin, um sie teilweise zu veröffentlichen. Unter anderem auf der Plattform Instagram.

 

Dort veröffentlichte ich meine Bilder. Beim anschließenden entspannenden Stöbern durch die Seiten der Galerien, die unter dem Hashtag "#Lago Maggiore" sowie "#Intra" gezeigt wurden, fand ich ihren Account über ein paar Umwege. Nach einer Anfrage von mir kam schnell ein Kontakt zustande. Wir konnten über Instagram problemlos hin und her schreiben, ich durfte ihr das Bild zur Verfügung stellen und wir konnten so eine Verbindung knüpfen, die vielleicht einmal zu einem kleinen Fotoshooting führen wird.

 

So spielt das Leben hin und wieder, und ich hoffe, ich konnte mit meinem geschilderten, positiven Erlebnis den ein oder anderen dazu animieren, einfach offen in der Welt zu bleiben und unverbissen höflich das ein oder andere Bild zu erfragen, wenn es in einer besonderen Art und Weise anspricht, begeistert oder auf eine ganz eigene Art und Weise fasziniert.