· 

Wohin Du gehst. (Teil 3)

Wohin Du gehst. (Teil 3)

Sinn und Zweck meiner fotografischen Arbeiten ist der Ausdruck eines Lebensgefühls zu einer definierten Zeit.

 

Es kommt auf den Anspruch an. Mit Realität, einer Dokumentation oder Wiedergabe von Ausschnitten aus Leben hat Schnittmengen, was ich kreiere. Ein Portrait aus dem Jahre 1981 und eines aus 2017 liegen noch immer vor mir. Die Bilder scheinen sich so ähnlich. Es liegen 36 Jahre zwischen den beiden Abbildungen.

 

Im Laufe der Zeit, im Laufe der Jahre, in denen man in einer beliebigen Kunstrichtung -die Fotografie ist für mich eine davon- sein Werk nach und nach vervollständigt oder ausbaut, obliegt es dem bildenden Künstler, einen Ausdruck dessen zu finden, was in ihm wohnt. Beim Gemälde wie bei einer Skulptur, als zwei Beispiele der schaffenden Künste, findet eine Zwiesprache statt, die so manche weitere Dimension besitzt.

 

Ein Beispiel aus der Malerei, Zeichnung oder Grafik: Es ist zunächst das Material, welches aufgetragen wird. Es wird auf ein Medium aufgetragen. Fertiggestellt, präsentiert als Werkstück, Bildnis wird es in einer hellen oder dunklen Umgebung an einem ausgewählten Ort ausgestellt, in einem Rahmen oder ohne selbigen, vielleicht auf einem Bildschirm? Es wird so oder anders dem Betrachter dargereicht. Dieser kann sich, seine Empfindungen sowie seine Gedanken diesem Werkstück stellen.

 

Eine Skulptur -als Beispiel aus der Bildhauerei- besteht aus einem bestimmten Material wie z.B. Holz, Bronze oder Alabaster. Daraus wird eine Form ausgearbeitet, alles, was nicht zur Idee dieser Form gehört, was sozusagen stört, als störend empfunden wird, wird entfernt. Diese Form erhält eine bestimmte Oberfläche, vielleicht rauh, vielleicht poliert. Sie wird abschließend in einer genau bestimmten Umgebung dem Betrachter präsentiert. Vielleicht wird dort die Form in gleißendem Licht betont oder in schummerigem Dunkel die Phantasie angeregt, bei dem die Aussage des Werks ein geheimnisvolles Unterbewusstsein anspricht.

 

Und wie ist es bei einer Fotografie, die ein einzelnes Kunstwerk darstellen soll? Ist es überhaupt ein einzelnes Bild, das ein Kunstwerk sein kann oder ist es nur im Gesamtwerk ein Kunstgegenstand, weil die Halbwertszeit einer Fotografie inflationär scheint? Monitär gesehen existieren genug Beispiele für Fotografien, ob bearbeitet oder nicht. Sie erzielten immense Summen auf Auktionen. Was aber ist mit den Bildern, die dies nicht erreichen, egal ob von bekannten und anerkannt guten Fotografen wie zum Beispiel Alessio Albi oder Emily Soto oder unbekannten aber begabten Fotografen mit einem kleinen Wirkungskreis? Ist dann als Ziel der Bildband zu nennen, dessen schnöde Verkaufszahlen über Erfolg und Güte urteilen dürfen? Ist es eine Internetpräsens, die eine möglichst große Zahl von Followern generiert (man denke hier an Instagram, wo über Mechanismen, die gegen Bezahlung vielen tausend Teilnehmern für kurze Zeit gefolgt wird in der Hoffnung, es bleiben über Followback möglichst viele hängen....), über die sogar ein Vertrieb verschiedener Fotos läuft? Ab wann ist eine Fotografie ein Bild und ab wann ist ein Bild ein Kunstwerk? Überhaupt stellt sich die Frage, für wen kann ein Bild ein Kunstwerk sein.

Fotografie spielt mit vielen Sinnen. Gefühle, Emotionen, Erwartungen können verstören, provozieren, berühren und begeistern.

 

Reichweite möchte ich an dieser Stelle bewusst ausklammern. Viele Schätze fristen ihr dasein im Verborgenen. Fotografen und ambitionierte Laien bringen -meiner Meinung nach- oftmals wahre Kunstwerke zutage, die in der Weite des www unterzugehen scheinen, vielleicht niemals entdeckt werden. Aber darum geht es nicht einmal. Sollte es nicht vielmehr um den Künstler selbst gehen, der sein Werk zuerst erschafft, anschließend sieht, im einzelnen sowie im Gesamtwerk und für sich erkennt, wie weit es gediegen ist, wie weit es ihm gelang, diesem inneren Gefühl den Ausdruck zu verleihen, der ihm innewohnt?

...