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Posing 8: Teilweise körperlich

Posing 8: Teilweise körperlich

Wie viel von nackter Haut ist nötig, um eine Bildaussage zu erhalten? Wie viel Erkennbares vom Körper des Menschen vor der Kamera führt zu Interesse und erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber einer Aufnahme? Was tragen sogenannte Aufnahmearten wie zum Beispiel Teilakt oder verdeckter Akt, Vollakt oder künstlerischer Akt, Aktportrait oder sinnlicher Akt, "open Legs" oder Boudoire-Fotografie zur Idee einer Komposition, einer Geschichte im Bilde bei?

 

"Die Schöpfung erschuf den Körper, der Mensch die Kleidung." "Natürlichkeit kann nur durch den Körper dargestellt werden, nicht durch Kleidung." Wie sehr beeinflusst uns die Idee hinter diesen Zitaten? Wird Zivilisation durch das Tragen von Kleidung definiert und was genau beschreibt danach Zivilisation?

 

In wie fern verändert sich eine Pose, wenn einmal mehr, einmal weniger Haut des Models zu erkennen ist? In wie weit verschiebt sich eine Bildaussage, wenn die unterschiedlichen Bereiche des menschlichen Körpers mal mehr, mal weniger mit Kleidung oder von Schatten verdeckt sind?

 

Sind bestimmte Körperproportionen zwangsläufig erkennbar zu halten, um überhaupt eine bestimmte Aussage treffen, abbilden zu können? Ginge es überhaupt ohne diese Körperdarstellung? Wie viele Tatsachen sind notwendig, wie viel Phantasie kann erwartet werden? Sind Andeutungen ein Mittel, um Ideen zu transportieren oder zählen nur nackte Tatsachen? Sind es die alltäglich offensichtlichen Körperpartien, die schon zur Erfüllung einer Vorgabe ausreichen oder bedarf es einer tieferen Einsicht? Erkennst du die Proportionen anhand eines Beins oder ist ein kleiner Part des Pos als Verlängerung des Beins genau der Blickpunkt, der das Bild vervollständigt? Macht dieser Ausschnitt aus einem durchschnittlich großen Körper einen hochgewachsenen in entsprechender Pose?

Wie unterstützt der Typ Mensch die Bildidee? Ist es möglich, dass ein ernsthafter Typ Mensch mit harten Gesichtszügen ein verträumt-sensibles Romantikportrait darzustellen vermag? Oder das zartbesaitete, grazile junge Mädchen eine verwegene Kämpferin? Letzteres eher?

 

Die fotografische Umsetzung einer Idee fordert einen passenden Menschen, nicht anders, als einen bestimmten Schauspieler für einen bestimmten Film, der seine Fähigkeiten abrufen kann, um erforderliche Emotionen mimisch und körperlich umsetzen zu können. Und wer kennt sie nicht, die (ersten) Produktionen der Privatsender, die nur allzu gut bezeugen, dass ohne schauspielerische Fähigkeiten eine Aussage im Verborgenen erstickt.

 

Zurück zum Thema Fotografie: Jede zweihundertfünfzigstel Sekunde der Auslösung hält den Moment fest, der jede Mimik und Körperhaltung einfriert und danach zur Betrachtung gereicht wird, um zu fragen: Was ist es, dass du siehst und was empfindest du bei diesem Anblick, was erzählt dir dieses Bild - oder bleibt es eine Fotografie? 🙈

 

weiter geht es in Teil 9