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Posing 3: Erwartung und Abbild

Posing 3: Erwartung und Abbild

Eine Körperhaltung auf einem Bild kann dir vertraut sein oder es gibt etwas in der Pose, das deine Erwartung als Betrachters irritiert. 

Es kommt vor, dass beispielsweise die Pose nicht zum Ort passt, oder dass die Pose nicht mit der Mimik des Models zu verbinden ist, oder dass die Pose die Geschichte des Bildes (Vorausgesetzt, es besitzt eine und hat nicht ausschließlich dokumentarischen Charakter) nicht schlüssig wiedergibt. Verschiedene Faktoren beeinflussen das Bild zusätzlich, etwa Kleidung und Makeup, Accessoires und Lichtgebung, denn damit wird letztlich die Bildkomposition gebildet, doch die Körperhaltung ist für den Betrachter ein wesentlicher Schlüsselaspekt. Störungen, ganz gleich welcher Art, ob es auffällige sind oder nur vermeintlich unscheinbare entziehen einem Bild manchmal das gewisse Etwas, etwas, dass es zu einem herausragenden Werk machte. 

Über Hände im sichtbaren Bereich eines Portraits ist schon viel gesagt worden. Es wird die Ansicht vertreten, dass diese nichts im Portrait verloren hätten oder jene, dass sie unbedingt zu sehen sein sollten, um das Portrait vollständig zu machen. Daraus ergibt sich die fortführende Überlegung, ob die Hände derart im Bilde integriert werden sollen, dass ihnen eine vermeintliche Aufgabe suggeriert wurde oder sie nur künstlich/künstlerisch vorhanden sein sollten. 

Gibt es also eine Grenze für ein stimmiges Posing und wenn ja, wo ist sie auszumachen? Existieren dafür allgemeingültige Regeln oder liegt es individuell bei jedem Betrachter? Kann es der Kunst zugeschrieben werden, wenn verstörende Posen in Szene gesetzt werden? Oder bedarf es, wie im Leben und seinem immer waghalsigeren Unternehmungen immer einer Steigerung bis ins Skurrile? Gibt es vielleicht im Gegensatz dazu eine leichte Rückbesinnung auf das Wesentliche und seine Reduzierung auf "weniger ist mehr"? 

Es kommt darauf an, was die Beteiligten mit einer Aufnahme beabsichtigen. Soll der Betrachter in die Aufnahme geführt werden oder ist augenblicklich alles plakativ zu erkennen? Schnell hinsehen, alles sehen, im Stile des Durchwischens a la Instagram? Wo nur Bruchteile von Sekunden, gerade im Augenwinkel erspäht, ein Bild gerade noch eine kleine Chance hat, beachtet zu werden, um dann wieder vergessen zu sein und aberhunderten neuen Bildern im Gedächtnis zu weichen, die ihrerseits nur ein Scheindasein fristen... 

 

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